So bitte nicht!

Buntes Allerlei der Märchen und Gerüchte im Gartenbau und im Naturschutz

Das Märchen vom „guten Boden“
Viele Menschen glauben, dass das Wichtigste im Garten ein sogenannter „guter Boden“ ist.
Ja! Das stimmt! Das stimmt, wenn man Gemüse ziehen möchte, wenn man Starkzehrer anbauen möchte. Wenn man also eher so etwas wie einen traditionellen Bauerngarten gestalten möchte. Dann kann man diesen „guten Boden“, den wir auch Oberboden oder A-Horizont nennen, tatsächlich gut verwenden.
Möchte man aber einen artenreichen und noch dazu pflegeleichten Wildblumenstandort gestalten, funktioniert dies so einfach nicht!
Traditionelle, artenreiche Wildblumenwiesen entwickelten sich deswegen in unseren Breiten, weil sie genutzt, also zwei- bis dreimal im Jahr gemäht und das Mahdgut zur Fütterung des Viehs abgeräumt wurde. Beim Mähen und Abführen des Mahdguts wurden dem Boden regelmäßig jede Menge Nährstoffe entzogen. Dadurch hatten die Wildblumen gegenüber den konkurrenzstärkeren Gräsern überhaupt erst eine Chance.
Für Wildblumen sind also „schlechte“, magere Böden „gute“ Böden!
Mager und steinig sollte der Untergrund sein, ähnliche Bedingungen wie es steile flachgündige Berghänge, auf denen vielerlei Wildblumen „gedeihen“, hergeben, müssen wir schaffen!

„Schotterbeete sind pflegeleicht“
Neuerdings entstehen in privaten Vorgärten, auf Firmengeländen und sogar im Öffentlichen Grün mehr oder weniger große Schotterflächen. Die „Körnung“ des gewählten Materials fällt dabei unterschiedlich groß aus, immer aber fehlen die Feinanteile. Im Schotter dieser Neuanlagen stecken als „Dekoelement“ einzelne Koniferen wie startklare Raketen oder es wehen einige vertrocknete Grashalme im heißen, von den Steinen aufsteigenden Wind. Arme Kreaturen im Angesicht von Klimawandel und langen Trockenperioden! Von Artenvielfalt hingegen oder gar von künstlerischer Kreativität weit und breit keine Spur.
Meine Erkundigungen zu diesem Phänomen endeten zu meinem großen Erstaunen in der Antwort, diese Art der „Anlage“ sei pflegeleicht.
Ich kann davor nur warnen!
Diese Art der Schotter- bzw. Kiesflächen kann sich als äußerst pflegeschwer erweisen, besonders dann, wenn plötzlich aus dem Untergrund der Gesteinsbrocken konkurrenzstarke Wurzelunkräuter durchbrechen. Immer häufiger wird aus diesem Grund eine Wurzelsperre eingearbeitet. Auch hiervon halte ich aus Gründen der Ökologie nicht viel, schon gar nicht, wenn diese Maßnahme großflächig und immer häufiger erfolgt und nicht wie früher eine absolute Ausnahme in besonders schwierigen Fällen bleibt. Aber selbst wenn eine solche Wurzelsperre eingearbeitet wurde, sammeln sich innerhalb kurzer Zeit ausreichend Nährstoffe u.a. durch Laub aus der Umgebung zwischen den Brocken dieser Art von Anlage an, schnell bildet sich eine feine humose Schicht zwischen den Brocken, die dann in Kombination mit herbei geflogenen Samen diverser Allerweltsunkräuter spätestens im Sommer ein unansehnliches, schmuddeliges und oftmals halb verdorrtes Gesamtbild abgeben.
Ich habe inzwischen schon viele – sowohl Privat- als auch Firmenkunden, sowie Bauhofmitarbeiter – kurz vor der Verzweiflung erlebt!
Es ist eben kein Kinderspiel, all die schweren Steine wieder zu entfernen, um jäten zu können!
Was bleibt, ist letztlich oftmals die chemische Keule………
Schade um das Potential, das jede einzelne dieser Flächen hätte, wenn sie nur fachtechnisch korrekt und als artenreicher Mager- und Trockenstandort angelegt worden wäre!

„Nicht Mähen ist ein Beitrag zum Naturschutz“
Nein! Nicht mähen fördert konkurrenzstarke Gräser, nicht unsere schönen Wildblumen!
Bis vor wenigen Jahren konnte man mindestens an steilen Böschungen noch Wildblumen ausmachen. Aber auch damit ist jetzt Schluss!
Denn wenn unsere letzten Wildblumenbestände gerade nicht dem Mulchen/Mulchmäher zum Opfer fallen, dann werden sie eben einfach GAR NICHT gemäht!
Denken Sie immer daran, wie unsere artenreichen  Wildblumenwiesen einst entstanden sind: Durch die alte, traditionelle Landwirtschaft. Der Kleinbauer hat das Gras als Futter benötigt – es war wertvoll! Im Durchschnitt zweimal jährlich hat er „geerntet“, den Boden dadurch abgemagert und so den bunten Wiesenblumen ein Habitat bereitet.
Dass wir uns heute nicht mehr die Mühe machen, unsere Böschungen zu mähen, wird zur Folge haben, dass auch auf diesen letzten, sowieso relativ kleinen Flächen der Artenbestand gen Null schrumpfen wird.
Überleben werden die konkurrenzstarken Gräser. Quecken, Landreitgras, Deutsches Weidelgras…..
Bitte nicht missverstehen – natürlich macht die eine oder andere „wilde Ecke“ unter ganz bestimmten Voraussetzungen – und dann vielleicht gerne auch mal ungemäht – Sinn, zum Beispiel für spätschlüpfende Solitärbienenarten, aber das, was jetzt gerade Gang und Gäbe wird, hat mit Artenschutz GAR NICHTS zu tun, sondern ist eine Folge der Verschiebung von Werten.

BUNT = ÖKO???
Es blüht vielerorts auffallend bunt am Straßenrand und auf Verkehrsinseln. Zu bunt!
Leider werden hier nur allzu oft Saatgutmischungen verwendet, die jeder ökologisch sinnvollen Nachhaltigkeit entbehren. Diese Blühmischungen enthalten viele nicht heimische Pflanzen und noch mehr nur einjährige Blumen. Oftmals werden diese Flächen daher schon im zweiten Standjahr von spontan auftauchenden, unerwünschten, aber sehr hartnäckigen, wüchsigen Allerwelts-Unkräutern überwuchert. Zumeist wird solches Saatgut als Billigware in riesigen Mengen aus dem Ausland importiert, hier in Deutschland dann nur noch portionsweise und hübsch bebildert abgepackt und relativ teuer verkauft.
Eine gute Sache – für Margenkenner! 😉
Abgesehen von den enthaltenen gebietsfremden Arten, enthalten diese Mischungen auch gefüllte und sterile Blumen. Raupenfutterpflanzen für Schmetterlinge sind so gut wie nie enthalten!
Bitte machen Sie es anders!

Raupenfutterpflanzen sind hier nicht anzutreffen, ABER ohne Raupen keine Schmetterlinge! Der ökologische Wert solcher Flächen ist daher leider äußerst gering!

Es geht glücklicherweise auch anders:
Wenn Sie eine bunt blühende Gemeinde genießen wollen, machen Sie es richtig und lassen Sie sich vom erfahrenen Naturgartenplaner beraten!
Denn echte Wildblumenwiesen sind – wie beispielsweise natürliche kräuterreiche Bergwiesen oder auch unsere heimischen Feuchtwiesen – immer mehrjährig!
Diese sind im Übrigen dadurch auch deutlich pflegeärmer und kostengünstiger in der Unterhaltung!
UND: Es ist – mit ein paar Tricks – sehr einfach sie wirklich dauerhaft anzulegen!
UND: Meine Vorgehensweisen machen den Einsatz von Glyphosat zur Bodenvorbereitung bei der Neuansaat von Blühflächen gänzlich überflüssig!

Geeignete, ökologisch hochwertige und gleichzeitig mehrjährige Qualitäts-Wildblumen-Samenmischungen gibt es nicht im Baumarkt sondern bei gewissenhaften Produzenten, die dem Naturgarten-Verein (Saatgut-Produzenten-Liste) und/oder dem VWW, dem Verband deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten angeschlossen sind. Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungen produzieren sie ausschließlich artenreiche, gebietsheimische Wildblumen-Mischungen! Denn dabei kommt es auch auf die Arten-Zusammensetzung der heimischen Wildblumen und Wildkräuter an, gerade eben damit eine solche Wildblumen-Ansaat wirklich dauerhaft funktionieren kann!

Ich berate Sie gerne im Detail und standortgerecht – rufen Sie mich an oder senden Sie mir eine Email!